Saubere Energie für die Region Thal-Gäu-Bipperamt

Herkunft

Wie entstand und woher kommt das Erdgas?

Entstehung

Das heute genutzte Erdgas ist aus organischen Stoffen entstanden. Es wurde bei der Entstehung von Erdöl beziehungsweise von Kohlelagerstätten gebildet. Ausgangsmaterial waren abgestorbene Reste von Plankton und Algen flacher Urmeere, die auf den Meeresgrund absanken und dort, von Bakterien zersetzt, als Faulschlamm vergärten.

Ausgangsmaterial des anderen Erdgaslieferanten, der Kohle, waren vor allem höhere Pflanzen aus früheren Erdzeitaltern, besonders aus dem Karbon. Durch rasches Absinken des Erdbodens gelangte das pflanzliche Material in tiefere Erdschichten, wo es im sogenannten Inkohlungsprozess der Reihe nach zu Torf, Braunkohle, Steinkohle und Anthrazit umgewandelt wurde. Während der Inkohlung kam es zur Abspaltung gasförmiger Reaktionsprodukte, besonders von Methan. Erdgasvorkommen, die bei der Bildung von Kohle entstanden, sind beispielsweise die Felder in den Niederlanden und in der südlichen Nordsee.

Andere Theorien besagen, dass im Erdinnern auch Erdgas nicht organischen Ursprungs vorkommt, das durch Bruchstellen an die Oberfläche tritt. Als Beweis wird unter anderem die Tatsache angeführt, dass bei Vulkanausbrüchen und Erdbeben meist auch Gasausstösse beobachtet werden. Nach diesen Theorien müssten in genügenden Tiefen praktisch überall auf der Erde riesige Gasvorkommen zu finden sein, die dort bei der Entstehung der Erde eingeschlossen wurden. Auch in der Schweiz werden solche Tiefengasvorkommen vermutet.

Die Erdgasreserven und ihre Verteilung

Gemessen am heutigen Verbrauch reichen die gesicherten, das heisst durch Bohrungen nachgewiesenen, Erdgasvorräte noch über 60 Jahre (Erdöl rund 40 Jahre). Zählt man die geschätzten zusätzlichen gewinnbaren Ressourcen dazu, sind es 130 Jahre.

Die grössten Erdgasvorräte der Welt befinden sich auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion. Deren Nachfolgestaaten verfügen über rund 40 Prozent der weltweiten Reserven, wobei der Hauptteil auf Russland entfällt, zu dessen Territorium die grossen Vorkommen in Sibirien gehören. Die meisten Länder in Westeuropa verfügen über Erdgasvorkommen, die insbesondere in den Niederlanden, Deutschland und Italien schon seit längerer Zeit genutzt werden. Der Anteil von Erdgas am Primärenergieverbrauch liegt in Westeuropa druchschnittlich bei 23 Prozent. Im westeuropäischen Vergleich ist der Anteil der Schweiz deutlich unterdruchschnittlich.

Erdgas in der Schweiz

Die Schweiz hat keine eigenen Erdgasförderungen. Der Bedarf wird vollumfänglich durch Importe aus dem Ausland gedeckt. Hauptlieferant mit einem Anteil von 51.9 Prozent ist Deutschland, gefolgt von den Niederlanden, Frankreich, Russland und Italien. Im europäischen Vergleich ist der schweizerische Erdgas-Markt klein. Nur rund 0.9 Prozent des insgesamt in Europa verbrauchten Erdgases entfallen auf die Schweiz. Es gibt durchaus deutsche Grossstädte mit einem Erdgasverbrauch, der demjenigen der Schweiz entspricht.

Interessenant ist die Tatsache, dass surch die Schweiz bedeutend mehr Erdgas transportiert als im Land selbst verbraucht wird. Nach dem Ausbau des Transportsystems Transitgas in den Jahre 1998 bis 2002 wurden 2004 in Nord-Süd-Richtung insgesamt 17 Mrd. Normkubikmeter (Nm3) Erdgas durch unser Land transportiert. Von diesen 17 Mrd. Nm3 entfielen 2 Mrd. Nm3 auf die Versorgung der Schweiz und rund 15 Mrd. Nm3 auf den Transit nach Italien.

Basis für die breite Versorgung der Schweiz mit Erdgas war 1974 der Bau der internationalen Transitleitung von den Niederlanden nach Italien. Sowie der ersten nationalen Transportsysteme von Swissgas und den Regionalgesellschaften in der Ostschweiz, im Mittelland und in der Westschweiz. Heute ist die Schweiz mit zwölf grenzüberschreitenden Einspeisepunkten ans europäische Erdgasnetz angeschlossen und somit völlig ins westeuropäische Erdgastransportsystem integriert. Die wichtigste Einfuhrroute ist die Holland-Italien-Leitung. Die Transitgas AG betreibt das schweizerische Teilstück dieses internationalen Transportsystems. Von der Transitgas-Leitung aus führen regionale Transportleitungen in den Jura, in die Ostschweiz, ins Mittelland, in die Zentralschweiz und in die Westschweiz.

Die Grösste der insgesamt vier Regionalgesellschaften ist der GVM, Gasverbund Mittelland, von welchen auch über unseren Zwischenlieferanten sbo, Städtische Betriebe Olten, das Erdgas der SOGAS AG stammt.

Das schweizerische Verteilnetz hat eine Länge von rund 17'100 Kilometern. Es dient den rund 110 Gasversorgungen zur Belieferung der industriellen, gewerblichen und privaten Gaskunden. Rund 880 der gegen 2'700 Schweizer Gemeinden werden mit Erdgas versorgt. In diesen gasversorgten Gemeinden leben rund fünf Millionen Menschen, was einem Bevölkerungsanteil von fast 70% entspricht.

Die Beschaffung von Erdgas ist mit langfristigen Lieferverträgen sichergestellt. Diese werden oft über Zeiträume von 20 - 25 Jahren abgeschlossen. Die Verträge von Swissgas decken langfristig rund drei Viertel des schweizerischen Erdgasbedarfs und sehen beim unerwarteten Ausfall eines Lieferanten auch Ausgleichslieferungen vor. Die restlichen Gasmengen werden von den Regionalgesellschaften sowie von grenznahen Versorgern direkt im Ausland beschafft. Die Gaznat SA hat zudem mit der Gas de Franc einen Vertrag für die Nutzung von Kapazitäten im Erdgasgrossspeicher von Etrez bei Lyon.

Die nationale Erdgasversorgung funktioniert auch während extremen Kälteperioden einwandfrei. Um kurzfristige Verbrauchsspitzen abzufedern, schliessen die Erdgasversorger mit grossen Verbrauchern spezielle Verträge ab. Diese sind in der Lage, mit ihren Zweistoffanlagen bei Bedarf kurzfristig von Erdgas auf Heizöl umzustellen.